Warum ich Bio-Lebensmittel bevorzuge ...



Wer Wert auf gesunde Ernährung legt, sieht sich früher oder später mit der Frage konfrontiert, ob es sich lohnt, ökologisch erzeugte Lebensmittel zu konsumieren. Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal mit JA oder NEIN beantworten. Man sollte sie erst aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und wie so oft individuell entscheiden, welche Punkte einem persönlich wichtig sind.

Ich kaufe seit mittlerweile fast 8 Jahren ca. 95 % der Lebensmittel, dich ich verarbeite, im Bioladen. Wen wundert's - habe ich doch bis zum Mutterschutz vor knapp 3 Jahren selbst nebenbei in zwei solchen Läden gearbeitet. Daher kann ich bezeugen, dass „Bio nicht gleich Bio“ ist. Meine letzte Arbeitgeberin in diesem Bereich richtete den Fokus zum Beispiel auf regionale und möglichst wenig verpackte Produkte. Preislich sind diese nicht mit Bio-Produkten von z.B. Aldi oder Alnatura vergleichbar.

Nun aber der Reihe nach. Was heißt Bio eigentlich?


In der ökologischen Landwirtschaft wird ein möglichst geschlossener betrieblicher Nährstoffkreislauf angestrebt. Das bedeutet, dass so wenig Futtermittel wie möglich zugekauft werden sollten. Außerdem sind die Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie eine „artgerechte“ Tierhaltung (mehr Stall- und Weidefläche; Einsatz von Antibiotika nur in Ausnahmefällen - Stichwort "Antibiotikaresistenzen") Grundpfeiler des Öko-Landbaus. Er ist somit besonders auf Nachhaltigkeit ausgelegt.


Um Bio-Lebensmittel zu erkennen, wurde 2001 das staatliche Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung eingeführt. Hinzu kam 2012 noch das EU Bio-Logo, das in der EU produzierte Waren kennzeichnet. Die Vergabe dieser Siegel sind an einige Bedingungen geknüpft. Zum Beispiel müssen mindestens 95 % der Zutaten eines Produktes aus ökologischer Landwirtschaft stammen und der Einsatz von Gentechnik ist verboten. Weiters gibt es noch Verbände wie "demeter" oder "Bioland", deren Vorgaben für die ökologische Landwirtschaft noch strenger sind.


EU Bio-Logo

Staatliches Bio-Siegel

Wirkt sich Bio denn nun positiv auf die Gesundheit aus?


Bisher gibt es kaum Studienmaterial, das sich damit beschäftigt. Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft sind meist reicher an gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffen* (Baranski et al., 2014) und weisen eine geringere Schwermetallbelastung sowie viel weniger Pestizidrückstände** (Smith-Spangler et al., 2012) auf. Laut Öko-Monitoring Baden-Württemberg waren 2019 77% der biologischen Proben pestizidfrei, auf den restlichen 23 % wurden minimale Spuren nachgewiesen. Diese Faktoren kommen der Gesundheit auf jeden Fall zu Gute. Doch für einen höheren Wert an essentiellen Nährstoffen wie Vitaminen oder Mineralstoffen fehlen bislang Daten und Beweise. Die Nährstoffdichte von Obst und Gemüse hängt eher mit Reifegrad, Anbauregion oder Lagerung zusammen.


Dennoch sollte man bei den gesundheitlichen Vorteilen der ökologischen Landwirtschaft bedenken, dass sie die Umwelt geringer belastet als die konventionelle Landwirtschaft. Dies wirkt sich mittelbar auch auf unsere Gesundheit aus (bessere Luft, Böden, Wasser).

Welche Vorteile bringt Bio noch mit sich?


Neben dem ethischen Aspekt der bereits erwähnten „artgerechten Tierhaltung“ ist noch der soziale Faktor zu nennen. Da im Öko-Landbau der Einsatz von Pestiziden stark eingeschränkt ist, werden auch die Arbeiter auf den Feldern geschont. Besonders in Entwicklungsländern ist der Pestizideinsatz jährlich für rund 3 Millionen schwere Vergiftungen verantwortlich. Pestizid-Rückstände werden in diesen Gebieten auch von der Bevölkerung über das Grundwasser aufgenommen. Durch die biologische Landwirtschaft sinkt dieses Risiko enorm.

Ein weiterer Vorteil ist der niedrigere Verbrauch von Primärenergie sowie geringere treibhauswirksame Schadstoffemissionen. In Bezug auf den Klimawandel ist dies sehr positiv zu bewerten. Doch hier gilt es wieder zu bedenken, dass in großen Supermarktketten das Bio-Gemüse oft in Plastik verpackt wird, um nicht mit konventionellen Produkten vertauscht oder durch sie verunreinigt zu werden. Darum empfehle ich, Bio-Lebensmittel wenn möglich in Bioläden oder -märkten einzukaufen. Mittlerweile gibt es dort auch immer mehr kreative Ideen, unverpackt einzukaufen.


Was ich persönlich sehr zu schätzen wusste, als ich noch keinen Sauerteig im Kühlschrank hatte und somit Brot noch beim Bio-Bäcker gekauft habe, ist das große Angebot von Vollkorn-Backwaren. In konventionellen Bäckereien oder Supermärkten findet man meist nur mit Malz eingefärbte dunklere Brote, die mit Saaten und Flocken dekoriert als "Vollkorn-Brot" angepriesen werden. Beim genaueren Studieren der Zutatenliste merkt man allerdings schnell, dass der Vollkornanteil meist nur einen Bruchteil der Gesamt-Mehlmenge ausmacht. Auch Vollkorn-Getreideprodukte findet man häufiger in Biomärkten. Eindeutig ein Plus-Punkt!




Und wie schmeckt's?


Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ich persönlich finde, frisches Bio-Obst und -Gemüse vom Marktstand, Hofladen oder aus der Biokiste schmeckt ursprünglicher und damit besser als das konventionelle aus dem Supermarkt. Es erinnert mich an die Pflanzen, die ich aus dem Garten des Elternhauses kenne. Meistens kaufe ich aber in großen Biomärkten ein und stelle auch immer wieder fest, wie unterschiedlich Kartoffelsorten schmecken können und wie süß Karotten sind. Einen Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln habe ich schon lange nicht mehr. Aber meine Kolleg*innen, für die ich beruflich koche, wundern sich immer wieder mal, wie gut Gemüse schmecken kann und wir führen es alle auf dessen biologischen Ursprung zurück.


Rare Studien hinsichtlich des Geschmacks befassen sich immer nur mit einzelnen Gemüsesorten. Bio-Tomaten wurden zum Beispiel als aromatischer und saftiger beschrieben (Talavera-Bianchi et al., 2010)***. Allerdings schnitt in derselben Studie konventioneller Pak Choi besser ab. Insgesamt ergeben solche Studien keine signifikanten Unterschiede zwischen Bio und Nicht-Bio.



Links:

* https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24968103/

** https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22944875/

*** https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jsfa.3907

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